Elfte Kreuzwegstation

Jesus wird ans Kreuz genagelt

Höre meine Worte, Herr, achte auf mein Seufzen! Vernimm mein lautes Schreien, mein König und mein Gott, ich flehe zu dir! …
Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt… (Ps 5,2-5)


„Dort kreuzigten sie ihn“. Mit diesem kurzen Satz halten alle vier Evangelien die letzten Vorgänge fest. Mehr zu sagen, war nicht nötig. Jeder im Römischen Reich, noch bis ins 4. Jh. hinein, wusste, was diese Worte bedeuten:
Zu Boden geworfen, wird der Verurteilte mit dicken Nägeln – durch die Handgelenke, nicht durch die Handflächen – ans Querholz geschlagen. Der Balken wird hochgestemmt und in Mannshöhe an einem der Hinrichtungspfähle eingehängt. Noch einen langen Nagel durch die übereinander gezerrten Füße ins Stützholz hinein, und für die Soldaten ist die Sache erledigt. Nur die Wachposten bleiben, halten Klagende und Schaulustige fern und warten, bis sie die Pfähle von den Leichen säubern können – für die nächste Exekution. Unter Schmerzen, die selbst Morphium nicht betäuben könnte, beginnt ein qualvoller Erstickungstod. Er dauert oft tagelang.


Deine letzten Stunden.
Ich habe nicht die Kraft mir das Grauenhafte vorzustellen,
im Denken nicht, im Fühlen nicht.
Als schirmten auch mich die Wachposten ab,
dir nahe zu kommen.
Das Unvorstellbare ist
hinter
der Grenzlinie zwischen Ich und Du.


Du bleibst

allein

in deinen Qualen.


Eins mit dir ist jetzt nur dein Gott.

Du hast nicht die Kraft,
dich seiner zu vergewissern,
im Denken nicht,
im Fühlen nicht.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlasen?! (Ps 22,2).


Schrei, Jesus!
Schreien mit dir
kann jetzt nur dein Gott.


Fotos Angie Weiss
Die Texte sind mit freundlicher Genehmigung des St. Benno-Verlages dem Buch von Reinhard Körner, Unterwegs mit dir, Jesus, Ermutigungen zur Nachfolge, ISBN 978-3-7462-2183-0 entnommen.