Zwölfte Kreuzwegstation

Jesus stirbt am Kreuz

Stark wie der Tod ist die Liebe … Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. (Hld 8,6f)




Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten“, weiß Markus (15,25), und wie Lukas und Matthäus gibt er den Zeitpunkt des Todes Jesu mit der „neunten Stunde“ an (15,44). Die dritte und die neunte Stunde – das ist nach unserer Zählung gegen 9.00 Uhr und gegen 15:00 Uhr. Die lange Qual ist kurz. Die Ereignisse während dieser sechs Stunden, von denen die vier Evangelien unterschiedlich erzählen, und die Deutungen dieses Todes, die jeder Evangelist auf seine Weise einfügt, lieferten reichlichen Stoff für spätere Passionsspiele und Oratorien, für die Kreuzestheologie und die Kreuzesfrömmigkeit. Leicht hätten sie in Wort und Bild auch zu Kreuzwegstationen gestaltete werden können. Doch den Betern ist das äußere Geschehen jetzt nicht von Bedeutung. Schweigend sind sie ganz bei Jesus und begleiten ihn ins Sterben hinein. Um ihn geht es, mehr als um alle Deutungen und alle äußeren Details.

„Jesus aber
schrie laut auf.
Dann hauchte er den Geist aus“ (Mk 15,37).
Es war nicht der letzte ruhige Atemzug,
nicht das friedvolle Hinübergehen,
nicht der „schöne Tod“, tröstlich den Hinterbliebenen.
Es war nicht das längste Leiden,
nicht das allerqualvollste Sterben,
nicht der schrecklichste aller Tode, tröstlich den Leidenden.

Es war nicht ein Tod von Gott gewollt als Zahlmittel zur Begleichung menschlicher Schuld, tröstlich denen, die in Angst vor Gott leben.
- Du, Jesus, starbst deinen Tod, bar aller Berechnung, in der Treue der Liebe:

Du starbst
wie du gelebt hast,
im Glauben an die Menschen: „Vater, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34) und im Glauben an Gott den Abba: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lk 23,46).


Fotos Angie Weiss
Die Texte sind mit freundlicher Genehmigung des St. Benno-Verlages dem Buch von Reinhard Körner, Unterwegs mit dir, Jesus, Ermutigungen zur Nachfolge, ISBN 978-3-7462-2183-0 entnommen.