Dreizehnte Kreuzwegstation

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Jesus sprach: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. … Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (Lk 10,30-37)

Kein Begräbnis.
Für Gekreuzigte nicht. Was von ihnen übrig bleibt, wird vom Pfahl gerissen und entsorgt im Massengrab. Wäre nicht Josef von Arimathäa gewesen, einer mit Anstand, Mitgefühl und Mut. „Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde, ging Josef von Arimathäa, ein vornehmer Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, zu Pilatus und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten. Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei. Als der Hauptmann ihm das bestätigte, überließ er Josef den Leichnam. Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch“ (Mk 15,42 – 46). Einer späteren Überlieferung nach wird der Leichnam Jesu seiner Muter in den Schoß gelegt. Wir wissen nicht, ob es so war. Vorstellen dürfen wir es uns.


Josef kam,
nicht dein Josef, Maria, den du schon früh verloren hast;
ein fremder Josef, aus dem Hohen Rat.
Nicht alle,
nicht „die Juden“,
nicht „die Römer“,
nicht „die Ungläubigen“,
nicht „wir Sünder“ aller Generationen sind die Schuldigen mit dem Kainsmal am Tod unseres Bruders – Josef, der Fremde, „wartete auf das Reich Gottes und hatte dem, was die anderen beschlossen und taten, nicht zugestimmt, weil er gut und gerecht war“ (Lk 23,51).

Hast du ihn gesehen, Maria? – den Menschen.

Als alle geflohen waren. Alle, und im Schoß deines Herzens der Tod war, deines Sohnes Tod.
Mirjam! Schwester der Juden,
Schwester der Glaubenden und
Schwester der „Ungläubigen“.
Du, Mutter meines Freundes.


Fotos Angie Weiss
Die Texte sind mit freundlicher Genehmigung des St. Benno-Verlages dem Buch von Reinhard Körner, Unterwegs mit dir, Jesus, Ermutigungen zur Nachfolge, ISBN 978-3-7462-2183-0 entnommen.