Vierte Kreuzwegstation

Jesus begegnet seiner Mutter

Gott du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres lechzendes Land ohne Wasser. Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen. … Ich denke an dich auf nächtlichem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache. Ja, du wurdest meine Hilfe; Jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel. Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich fest. (Ps 63,1-9)

Sie war nicht geflohen, auch wenn`s wiederum nicht eigens im Buche steht. Mütter fliehen nicht, wenn es dem Sohn ansLeben geht. Solche Mütter. Die alten Kreuzwegbeter dachten als Söhne und fühlten als Mütter, als sie sich die Szene ausmalten: Im Gedränge, von unsäglichem verzweifeltem Schmerz gepeitscht, Maria. Von den Soldaten gepeitscht, der Sohn. Kurz nur – in einem Augen-Blick – die Begegnung. Kein Gespräch, nur die Augen sprechen zueinander… - Warum erzählen die Evangelisten davon nichts? Hat diese Begegnung von Mutter und Sohn doch nicht stattgefunden? Ob ja oder nein – die Beter aus dem Mittelalter lassen uns bis heute eine tiefe Wahrheit meditieren: Jesu Botschaft und Sendung war eine Herausforderung für den Glauben der Menschen!


Und selbst Maria hat nicht schmerzlos um Glauben gerungen.

Sie ging, wie wir, den „Pilgerweg des Glaubens“ (2. Vat. Konzil), sagen wir heute, Jesus von deiner Mutter. Und werden – nur so – der biblischen Überlieferung gerecht, die darum weiß, dass auch sie „nicht verstand“, als du den Eltern entgegenhieltest: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49f); dass sie um dich bangte, wie eine Mutter eben, als du kompromisslos und klar, ohne Rücksicht auf dich selbst, die Wahrheit redetest vor immer größerer Öffentlichkeit, und sie, zusammen mit deinen Verwandten – „sie sagten: Er ist von Sinnen!“ - , dich „mit Gewalt zurückholen“ wollte (Mk 3,21).

Sie sollte ja Recht behalten, sagen dir nun ihre weinenden Augen, du.


Sie hat gerungen mit deinem herausfordernden Ruf zum Umdenken über Gott und die Menschen wohl mehr als wir aus den spärlichen Quellen wissen… Die „Mutter der Glaubenden“ nennen wir sie von alters her. Du allein, Jesus, weißt, wie gern sie bis heute auch die Mutter der „Ungläubigen“ ist.




Fotos Angie Weiss
Die Texte sind mit freundlicher Genehmigung des St. Benno-Verlages dem Buch von Reinhard Körner, Unterwegs mit dir, Jesus, Ermutigungen zur Nachfolge, ISBN 978-3-7462-2183-0 entnommen.