Fünfte Kreuzwegstation

Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Nicht die sind vor Gott gerecht, die das Gesetz hören, sondern er wird die für gerecht erklären, die das Gesetz tun. Wenn Heiden, die das Gesetzt nicht haben, von Natur aus das tun was im Gesetz gefordert ist, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab. (Röm 2,13-15)

Er kam vom Feld, heißt es in den Evangelien. Er hatte nicht vor, einem halb Toten den Kreuzigungsbalken zu schleppen. Als der Erstbeste wird er von den Soldaten gewaltsam gegriffen: „Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage“ (Lk 23,26). Immer sind die Kleinen dran, wenn zugepackt werden muss. Und die Soldaten haben es schließlich eilig. – Aber er schleppt … Markus, der davon als Erster berichtet, kennt seinen Namen, und er fügt die Bemerkung an, dieser „Simon aus Zyrene“ sei „der Vater des Alexander und des Rufus“ (Mk 15,21). In der Christengemeinde, für die Markus vier Jahrzehnte nach dem Geschehen sein Evangelium schreibt, müssen die Söhne also bekannt sein, wahrscheinlich sogar zu ihr gehören.
Hatte die unfreiwillige Begegnung mit dem unbekannten Todeskandidaten eine Nachwirkung in Simon und seiner Familie?

Er wird dir vorher nie begegnet sein, Jesus, und ob er von dir gehört hatte? – So bekannt warst du nicht, damals… Aber er hat dir geholfen, einer wenigstens war da und hat zugepackt auf deinem Leidensweg, du.
Wie der Pfleger, als ich kraftlos und kaum noch mit Überlebenschancen auf der Intensivstation lag: er blieb, notgedrungen nach Feierabend, um mir die Haare zu waschen; wie der Chefarzt: er fuhr dreißig Kilometer in der Nacht, weil ihn die Sorge nicht schlafen ließ, um ein weiteres Instrument an meinen Körper anzuschließen;
Wie die Schwester: sie kam, ich weiß nicht, wovon getrieben, an ihrem zweiten Urlaubstag, um mir vom schönen Herbst draußen zu erzählen.
Und auch sie alle hatten von dir nichts gehört – so bekannt bist du nicht mit deiner Liebesbotschaft, hier in Deutschlands Osten…


Ich muss an sie denken, wenn ich an deinen Simon denke aus dem Volk, über das du klagst:



„Wird der Menschensohn,


wenn er kommt,


noch Glauben finden auf Erden?“ (Lk 18,8).





– Du wirst, das will ich dir zurufen hinein in die Stunden deiner einsamen Qual, den Simon finden in unserem „ungläubigen“ Volk!

Fotos Angie Weiss
Die Texte sind mit freundlicher Genehmigung des St. Benno-Verlages dem Buch von Reinhard Körner, Unterwegs mit dir, Jesus, Ermutigungen zur Nachfolge, ISBN 978-3-7462-2183-0 entnommen.